Die Geschichte des Hockeysports

Feldhockey ist das älteste bekannte Schläger- und Ballspiel und geht vermutlich auf die frühesten Zivilisationen zurück, obwohl keine exakten Nachweise und Quellen über den tatsächlichen Ursprung des Spiels existieren.

Aus dem Jahr 4000 v. Chr. stammt die älteste Darstellung eines Hockeyspiels. Es handelt sich um eine Grabmalerei aus dem Niltal. Zur gleichen Zeit gibt es auch Schläger-und Ballspiele in China, Persien und bei den Azteken. Die Indianer spielen mit bis zu 50 Männern pro Team auf Tore und um Sachpreise. Es gehört zum Charakter des Spiels, nicht nur den Ball zu spielen, sondern auch so viele Gegner wie möglich kampfunfähig zu machen. In Indien, Pakistan, Persien und Japan reichen die Wurzeln der Hockeytradition immerhin 2000 Jahre zurück. Und die Griechen, einem ordentlichen Wettkampf nie abgeneigt, übernehmen neben Wurf-, Lauf- und Kraftspielen auch das „Hockeyspiel” von den Persern.

In Frankreich spielt man im 12. Jahrhundert „Crosse” oder „Hoquet”, ein Wort das „Schäferstock” bedeutet. Es wird vermutet, daß das englische Wort „Hockey” davon abgeleitet ist. Es handelt sich um ein Treibballspiel, das zur selben Zeit auch in Irland als „Hurling”, in Schottland als „Shinty” und in Wales unter dem Namen „Bandy” auftaucht. Das Ziel des Spiels besteht darin, daß eine Partei versucht, den Ball in ein abgestecktes Feld der gegnerischen Mannschaft zu schießen. Dieses „Tor” besteht aus zwei Absteckpfählen, einem Loch oder einem Kreis, oder einfach aus einer gerade gezogenen Endzonenlinie. Damit ist der Katalog der Spielregeln auch schon ziemlich erschöpft, denn man kann zum Beispiel den Ball mit dem ganzen Körper abspielen oder ihn fangen und einige Meter weit tragen. Alles ist recht einfach. Der Ball wird mit dem Schlagholz häufig auch durch die Luft gedroschen, wobei der eine oder andere Gegner getroffen wird, was aber niemanden ernstlich zu stören scheint. Trotz seines rauhen Charakters und seiner Härte wird „Crosse” auch von friedliebenderen Kreisen geschätzt und ausgeübt, so etwa in Klöstern und Seminaren.

Was im Mittelalter rauh begann wird im ausgehenden 19. Jahrhundert in England endlich zum modernen Hockey umgewandelt und verfeinert. Im Südosten Londons ist mit Blackheath der erste Hockeyclub überhaupt beheimatet. Seit 1861 spielt man auf einem großen Stück offenen Geländes mit grob geschnitzten Schlägern und einem „Ball”, der in Wirklichkeit ein solider Würfel aus Hartgummi ist. Das Spiel wird zur damaligen Zeit weitestgehend frei von taktischen Angriffs- oder Abwehraufgaben gespielt. Da Hockey nicht als Kampfsportart oder „Kriegsspiel” gilt, setzt man bei Mangel an männlichen Spielern zunehmend Frauen als „Lückenbüßer” ein. Und da die Damen „ohnehin nach Betätigung suchten, galt Hockey bald als Damensport” in England, wie Christiane Eisenberg in ihrem Buch „English Sports und Deutsche Bürger” schreibt.

Im Jahre 1875 schließlich wird das Spiel von Teddington, ein weiterer Londoner Club, modernisiert und standardisiert durch die Einführung von neuen Spielregeln. Von da an dürfen die Hände nicht mehr zum Spielen des jetzt kugelförmigen Balles benutzt und der Schläger nicht über Schulterhöhe angehoben werden. 1883 wird die Mannschaftsstärke auf elf Spieler festgesetzt. Als wichtigste Neuerung führt man den Schußkreis ein, der 1886 ins Regelwerk des frisch gegründeten Hockeyverbandes, der „England Hockey Association”, aufgenommen wird.

Die britische Armee verbreitet im Anschluß das moderne Hockey in Indien, Pakistan und Australien, die sich allesamt zu führenden Hockeynationen entwickeln, und im Jahr 1901 stellt die britische Sportlehrerin M. K. Applebee die Sportart Hockey an der renommierten Harvard Universität in den USA vor. 1908 feiert die Sportart Hockey bei den Olympischen Spielen in London Premiere, und die deutsche Mannschaft belegt hinter England, Irland, Schottland und Wales den fünften Rang. 1924 wird während der Olympischen Spiele in Paris der Welthockeyverband FIH gegründet. Seit Amsterdam 1928 ist Hockey fester Programmteil bei der Olympiade und Indien ist zur führenden Hockeynation gereift. Man schlägt die Niederlande mit 3:0 im Endspiel. Vier Jahre später in Los Angeles gewinnt Indien Gold mit einem Torverhältnis von 35:2 aus zwei Spielen vor Japan und USA, 1936 in Berlin wird die deutsche Mannschaft im Endspiel mit 8:1 abgefertigt. Auch die nächsten drei Goldmedaillen gehen an Indien. 1960 in Rom gewinnt „ausnahmsweise” Pakistan im Finale mit 1:0 gegen Indien, das sich vier Jahre später in Tokio mit dem gleichen Resultat revanchiert. Fünfter damals eine deutsche Mannschaft aus der DDR, die das westliche Team in den innerdeutschen Ausscheidungsspielen bezwungen hatte.

Erst im Jahr 1980 hat das Damenhockey Premiere bei den Boykottspielen von Moskau.Ist bis Mitte der 50er Jahre das Führen des Balles an der rechten Körperseite vorherrschend, so ändert sich dies nach einer Reise einer deutschen Nationalmannschaft nach Pakistan. 1954 studiert man vier Wochen die Spielweise und vor allem die Stocktechnik der Pakistani. Man lernt die Vorteile einer frontalen Ballführung schätzen. Das „indische Dribbling” und die Übernahme der kurzen asiatischen Keule in das deutsche Hockey sind die Folge. Durch die veränderte Lage des Balles und mit Hilfe der „neuen” Keulen ist man ab sofort weniger ausrechenbar, die Spieler verfügen über sehr viel mehr Abspiel- und Täuschungsmöglichkeiten als bisher, wie Horst Wein in seinem bemerkenswerten Buch „Hockey – Lernen und Lehren” 1968 schreibt.

Die größte Umwälzung im Hockey findet in den 70er Jahren statt. Der Charakter des Spiels ändert sich, die Anforderungen an Spieler und Material werden drastisch in die Höhe geschraubt, das Spiel ist ein anderes. Der Naturrasen wird abgelöst vom Kunstrasen. 1976 weiht Kampong Utrecht den ersten Kunstrasen Hollands ein. In Limburg entsteht fast zeitgleich die erste synthetische Spielfläche in Deutschland. Michi Peter gewinnt 1972 noch auf dem Münchener Naturrasen Gold gegen Pakistan und steht 12 Jahre später in Los Angeles wieder im Endspiel, jetzt auf Kunstrasen. Er verliert zusammen mit einer neuen Generation junger Talente in der Verlängerung gegen Pakistan mit 1:2. Der Kunstrasen macht das Spiel der Könner unabhängig von den Widrigkeiten des eher unberechenbaren Naturrasens. Und auf künstlichem Gras spielt ein Ausnahmetechniker namens Stefan Blöcher schon einmal eine halbe australische oder holländische Mannschaft aus, bevor er den Ball im Tor unterbringt. Glanzleistungen, die so auf Naturrasen nicht möglich sind.In den 90er Jahren bringt Fernando Ferrara eine in Europa bislang unbekannte Technik aus seiner argentinischen Heimat nach Italien mit. Dort ist der Nationalspieler bei Cernusco in Mailand unter Vertrag. Es handelt sich um eine neue Art, die Rückhand zu schlagen. Aus einer sehr tiefen Körperposition schlägt er den Ball mit der Kante des Schlägerschaftes und beschleunigt seine Torschüsse so phänomenal, daß sich diese Technik in Windeseile verbreitet. Die „argentinische Rückhand “ ist für einen Schläger die vielleicht extremste Belastungsform, das Material wird enorm beansprucht, denn die Ummantelung und die Verstärkungsfasern werden regelrecht zertrümmert, und im Zuge dieser primären Schäden leidet das Holz des Schlägers.

Die nächste Umwälzung findet statt. Holz wird ersetzt durch Kunststoff. Was Ski- und Tennissport bereits vollzogen haben, geschieht nun auch im Hockey. Im November 1999 ändert die FIH ihr Regelwerk, so dass ab sofort auch international Vollkunststoffschläger zum Spielbetrieb zugelassen sind. Die Schläger setzen sich aus einer Mischung von Glass-, Kevlar- und Carbonfasern zusammen. Gegenüber den herkömmlichen Holzschlägern sind „Composite-Schläger” härter und leichter, die Spieler erreichen also höhere Ballgeschwindigkeiten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß ein Spieler immer genau den gleichen Schläger wieder erhalten kann, da Composite Schläger im Gegensatz zum Naturmaterial Holz nicht den gleichen Schwankungen in der Herstellung unterliegen.

Hier endet die Geschichte vorerst, und wir erwarten gespannt, wie die nächsten Kapitel unserer Sportart aussehen, wer sie schreibt und was die Zukunft bringt.

Vielen Dank der Firma TK-Hockey für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf dieser Seite